Geld- oder Fiskalpolitik: Was hilft der Wirtschaft wirklich?

Auch in den letzten Wochen konnten die globalen Aktienmärkte noch einmal zulegen, wobei die konjunkturelle Lage in nächster Zeit vor allem US-Aktien und Schwellenländer-Titeln zugute kommen sollte. Dennoch wird es auch 2017 kräftige Impulse brauchen, um die Konjunktur anzukurbeln. Dabei stellt sich die Frage, ob nun die Fiskalpolitik in die Bresche springen muss, weil die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt, oder ob diese doch noch Instrumente in der Hand hat, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Markets | 13.09.2016 05:34 Uhr
Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Österreich AG / ©  ZKB Österreich
Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Österreich AG / © ZKB Österreich
Archiv-Beitrag: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die globalen Aktienmärkte konnten zuletzt nochmals leicht zulegen. Vor allem Schwellenländer- und britische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich positiv. Auch die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen stiegen im vergangenen Monat überwiegend leicht an, befinden sich jedoch nach wie vor auf niedrigem Niveau. „An den Devisenmärkten hat das Brexit-Votum zunächst für einen Anstieg der Volatilität gesorgt, in den letzten Wochen ist allerdings wieder Ruhe eingekehrt und die Volatilität ging trotz der terroristischen Anschläge in Europa im Juli und des Putschversuchs in der Türkei zurück“, erläutert Christian Nemeth, Chief Investment Officer und Mitglied des Vorstands der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

Der Wirtschaft neuen Schwung verleihen – aber wie?

Obwohl die Zentralbanken seit Jahren versuchen, mit expansiver Geldpolitik die Konjunktur anzukurbeln, wird das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfallen. Und auch für das kommende Jahr ist kein signifikanter Wachstumsschub in Sicht. „Daher werden jene Stimmen lauter, die betonen, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt und fordern, dass der konjunkturelle Aufschwung über Maßnahmen der Fiskalpolitik gesteuert werden müsste“, erklärt Nemeth. Dem Ziel, höheres Wachstum zu schaffen, sei selbst eine größer werdende Staatsverschuldung unterzuordnen, so die Argumentation. Andere Experten meinen hingegen, dass die Geldpolitik durchaus noch das eine oder andere Ass im Ärmel habe. Erwähnt wurde zuletzt beispielsweise die Idee des sogenannten Helikoptergeldes, also die massive Ausweitung der Geldmengen durch die Notenbanken, die das Geld direkt zu Staaten oder Bürgern transferieren. Die Geldschwemme soll den Konsum in Gang bringen und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. „Wir rechnen in nächster Zukunft jedoch nicht mit der Einführung von Helikoptergeld im engeren Sinn, da die damit einhergehenden Risiken kaum abschätzbar sind“, so Nemeth.

USA: Die Fed möchte vom Krisenszenario zur Normalität

Die US-Konsumkonjunktur erweist sich weiterhin als globaler Lichtblick. Einerseits konnten auf dem Arbeitsmarkt wieder Stellenzuwächse verzeichnet werden, andererseits stiegen auch die Einkommen und der Wert der Immobilien von Privathaushalten. Die robuste Konsumkonjunktur ist für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed wesentlich. Rhetorisch versucht sie den Markt auf den nächsten Zinsschritt vorzubereiten, sie ist aber von den konjunkturellen Rahmenbedingungen abhängig. „Die Fed ist weiterhin bemüht, ihrem Ziel einer Normalisierung des Leitzinssatzes näher zu kommen. Vor der Dezembersitzung rechnen wir aber nicht mit dem nächsten Zinsschritt“, bringt Nemeth den aktuellen Stand der Dinge in den USA auf den Punkt.

Europa: Deutschland überrascht positiv, Italien und UK als Sorgenkinder

In der Eurozone endete das zweite Quartal mit einem BIP-Wachstum von 0,3 Prozent. Vor allem Spanien, die Niederlande und Deutschland zeichneten für das gute Resultat verantwortlich. „Die deutsche Wirtschaft hat zwar etwas an Fahrt verloren, mit einem BIP-Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal wurden die Erwartungen aber klar übertroffen“, informiert der Asset Management-Experte. Sorgen bereitet der Eurozone derzeit Italien. Das Wachstum im zweiten Quartal stagnierte, unter allen Euromitgliedern weist Italien die schwächsten realwirtschaftlichen Aktivitätsindikatoren auf. Darüber hinaus kämpft das italienische Bankensystem weiterhin mit faulen Krediten in der höhe von 360 Milliarden Euro. „Wir rechnen damit, dass die italienischen Banken weniger Kredite vergeben werden und daher die Investitionen sowie der Privatkonsum darunter leiden“, so Nemeth. Das zweite Sorgenkind in Europa heißt UK. Dass Großbritannien nach dem Brexit-Entscheid auf eine technische Rezession zusteuert, ist zwar nichts Neues, die Frage ist jedoch, ob sich der Abschwung zu einer tieferen Rezession auswächst. Das dürfte wesentlich von den britischen Konsumenten abhängen. Vor allem im Bauwesen ging die Investitionstätigkeit bereits zurück. Die Bank of England wird weiterhin mit geldpolitischen Maßnahmen reagieren und versuchen, die Folgen des Brexit-Schocks abzumildern. Im Raum steht etwa die Senkung des Zinssatzes bis Jahresende auf knapp über 0 Prozent. „Anders als die Mehrheit der Marktteilnehmer geht die Zürcher Kantonalbank Österreich AG davon aus, dass es zu diesem Szenario kommen wird“, erklärt Nemeth. Ein Blick auf die internationalen Märkte zeigt, dass sich die Stabilisierung in den Schwellenländern fortsetzt und sich die Kapitalabflüsse in China beruhigen.

Rahmenbedingungen sprechen weiterhin für Aktien

Das, wenn auch mäßige, weiterhin globale Wachstum, die lediglich geringfügige Wachstumsbeeinträchtigung durch das Brexit-Votum außerhalb Großbritanniens und anhaltend großzügige monetärere Stimuli sorgen für ein Anlageumfeld, von dem vor allem Aktien profitieren sollten. „Die konjunkturelle Lage sollte insbesondere US-Aktien zugute kommen und so lange die Fed mit dem nächsten Zinsschritt noch zuwartet, sollte das Umfeld auch den Emerging Markets helfen“, analysiert Nemeth. Bei den Anleihen sorgen zwar die Kaufprogramme sämtlicher Notenbanken für Unterstützung, das Renditenniveau bei als sicher geltenden Staatsanleihen ist aber immer noch bescheiden.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.
Klimabewusste Website

AXA Investment Managers unterstützt e-fundresearch.com auf dem Weg zur Klimaneutralität. Erfahren Sie mehr.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.